Vereinsleben und Hundesport

 

Von Maulwürfen, Putzeimern und Hundeerziehung…

Hundesport ist so ein bisschen wie das Eingehen einer Ehe. Man heiratet niemals nur den Partner, sondern bekommt die ganze Palette von Problemen, die man ohne dieses Arrangement nie hätte.

Denke ich an Hundesport, denke ich insbesondere an die vielen tollen Ereignisse im vergangenen Jahr. An die vielen erfolgreichen Turniere, dem verbesserten Gehorsam meiner Hunde und den netten Runden im Anschluss an das Training. Mit einem Schmunzeln denk ich auch an das entstandene WIR-Gefühl, wenn man Sonntags morgens um 6 Uhr auf dem Weg zum Turnier allen anderen Vereinsmitgliedern sein Leid über die unsäglich frühe Uhrzeit klagt.

Ein WIR-Gefühl, dass es, machen wir uns nichts vor, wahrscheinlich nicht gäbe, wenn man nicht  gemeinsam vor den vielen unzähligen Problemchen und Wehwehchen des Vereinslebens stehen würde.

Im vergangenen Jahr haben wir bei allem Schönen auch unzählige Stunden mit Laubfegen und anschließendem Blasen zählen verbracht. Wir haben in regelrechten Putzorgien das Vereinsheim auf Vordermann gebracht und in einen Reinigungszustand versetzt, von dem meine eigene Wohnung nur träumen kann. Und warum?  Weil ich meine Freizeit damit verbringe mit meinen Vereinskameraden Schlachtpläne gegen die Maulwurfshügel in unserem Rasen zu schmieden und die Flachpfeife, die das Biest unter Naturschutz gestellt hat, zum Vereinsfeind NR.1 zu erklären.  Oder aber, um erfolgreich gegen die Erhöhung der Hundesteuer für sog. Kampfhunde in unserer Stadt vorzugehen. Auch haben wir die Ruhe und die Geduld unserer Hunde im Rahmen der Kinderferientage auf die Probe gestellt und dem einen oder anderen Kind den richtigen Umgang mit Hunden beigebracht.

Unsere Trainer stehen jede Woche auf dem Platz, um die Fehler die ich zu Hause verzapfe wieder gerade zu bügeln. Sie sehen dafür keine müde Mark. Selbstverständlich sind sie auch diejenigen, die Frühjahr wie Herbst als erstes die Laubharken schwingen, mit dem Rasentraktor unermüdlich eine Runde nach der anderen über die maulwürfische Hügellandschaft drehen, liebevoll Hornissen umsiedeln, Dächer decken, Leitungen legen, Hecken schneiden, Geräte reparieren und Egos aufbauen.

Für die Teilnahme in privaten Hundeschulen zahlt man je Einzelstunde durchschnittlich einen Stundenlohn von 45 Euro und auch die Gruppenstunde schlägt immer noch mit rund 10 Euro zu buche. Zugegeben, man hat dann mit dem ganzen Klimbim wie Laubfegen, Maulwurf-jagen und Rasen mähen nicht mehr wirklich etwas an der Mütze, aber man hat auch keinerlei Mitspracherecht. Man kann nichts mitentscheiden, mitgestalten und steht sich bei Wind und Wetter auf einem schlecht gemähten Acker die Beine in den Bauch. Zum krönenden Abschluss darf man sich vom benachbarten Bauern mit dem Traktor aus  Matschfläche schleppen lassen, welche als provisorischer Parkplatz eingerichtet wurde.

Das viel größere Dilemma ist, dass man etliche Stunden seiner wertvollen Freizeit (und je nach Härtefall des Hundes ist das ja ein nicht ganz unerheblicher Stundenanteil) in einer professionellen  Anonymität verbringt. Man verbringt Zeit mit Leuten, von denen man maximal die Hundenamen und die Automarke kennt.

Wer sich gegenseitig nur mit Chicos-Herrchen, Hollys-Frauchen oder Das-sind-doch-die-mit-dem-Mercedes ansprechen möchte und mit allem Drumherum nichts zu tun haben will, der ist dort mit Sicherheit besser aufgehoben als bei uns. Hollys-Frauchen und Chicos-Herrchen können wir nicht gebrauchen. Wir brauchen Daniels, Alines, Patricks, Saskias, Gerolds, Silkes und Lores. Wir brauchen Leute, für die das Thema Hundeerziehung kein notwendiges Übel ist, sondern Passion. Wir brauchen Leute, die mit anpacken können und wollen. Leute, die gemeinsame Ziele verfolgen, die Gemeinschaft schätzen und sich gegenseitig unterstützen.

Alle anderen, sind woanders eindeutig besser aufgehoben.

Lässt man sich jedoch auf das Vereinsleben ein, kann man das Risiko nicht ausschließen, dass hier Freundschaften fürs Leben entstehen.

K.Heuken